IM+io Aktuelle Leseprobe Heft 3 - 2014 Seite 11

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Inhalt

IM io Fachzeitschrift für Innovation Organisation und Management 03 2014 11 SC H EE R IN N O VA TI O N R EV IE W SCHEER INNOVATION REVIEW Interview gen und drei Parlamente zuständig sind und dass es auch innerhalb der Parteien und Koalitionen sehr unterschiedliche Meinungen und Befindlichkeiten gibt Im Land Berlin regieren wie im Bund SPD und CDU in Brandenburg SPD und Linke Dort ist die CDU also in der Opposition und vertritt einen ganz anderen Standpunkt als ihre Berliner Schwesterpartei Aber auch in den SPD Landesver bänden von Berlin und Brandenburg gibt es unter schiedliche Interessen Und irgendwo steht immer eine Wahl vor der Tür deretwegen die Politiker die um die Wiederwahl kämpfen ihre Wähler nicht mit der Ankündigung von Belastungen erschrecken wollen Doch damit muss das Management leben Demokratie ist bekanntlich eine komplizierte Regie rungsform Wir lieben sie wissen aber auch dass sie Geld und Zeit kostet Den Druck durch die Politik auf das Management kann man nur reduzieren wenn man den Druck der Öffentlichkeit auf die Politik verringert Das hat etwas mit unserem Presseumfeld und mit einer ehr lichen und schonungslosen Kommunikation zu tun Vor allem die Kosten des Projektes dürfen nicht ver schleiert oder klein geredet werden Falsche Anga ben werden später zum Bumerang oder können am Ende sogar zum Scheitern des Projektes führen Wer nicht rückhaltlos informiert produziert die Wut bürger die sich am Ende auch über rechtsstaatliche Normen hinwegsetzen Wenn das Management und die Politik nicht von Anfang an den Dialog mit den Bürgern und einen Konsens suchen muss das Pro jekt später darunter leiden Deutschland hat den guten Ruf eines Ingenieurlan des Viele unserer Nachbarländer beneiden uns um die deutsche Fähigkeit zu organisieren zu koordinie ren und umzusetzen Die unendliche Geschichte der Elbphilharmonie in Hamburg und vielfältige Hiobs botschaften vom BER stehen stellvertretend für andere Großprojekte bei denen die ursprüngliche Planung versagt und die Kosten aus dem Ruder gelaufen sind unser positives Image als Ingenieurland gerät da schnell ins Wanken Sind Großprojekte grundsätzlich zu komplex um sie zu handhaben oder machen wir von vorne herein den Fehler mit falschen Erwartun gen an die Möglichkeiten des Managements dieser Komplexität heranzugehen Was ist Ihr persönlicher Rat an Investoren Planer und Manager Ich bin nach wie vor der Ansicht dass Deutschlands Ingenieure jedes Großprojekt zustande bringen sie tun das ja auf der ganzen Welt sehr erfolgreich Auch können deutsche Großprojekte heute gar nicht mehr alleine von deutschen Ingenieurbüros geplant wer den denn von einer bestimmten Auftragssumme an ist eine europaweite Ausschreibung vorgeschrieben Die kann dann auch ein italienischer oder spani scher Anbieter gewinnen womöglich auch deshalb weil er preisgünstiger ist Das muss aber noch lange nicht heißen dass er weniger Ideen hat und dass er schlechter arbeitet Die Frage ist nur wie vertraut er mit den Tücken des deutschen Baurechtes ist Es wäre wohl besser gewesen erst einmal ein einheit liches europäisches Baurecht zu schaffen ehe man die europaweite Ausschreibung zur Pflicht gemacht hat Auch damit müssen wir leben Und weil kein Großprojekt mit dem anderen vergleichbar ist kön nen Sie von mir auch kein allgemeingültiges Erfolgs rezept erwarten Jedes ist für sich ein Prototyp und folgt seinen individuellen Umfeldbedingungen Da kann ich nur auf das verweisen was ich eingangs schon gesagt habe große Sorgfalt und Vorbereitung vor dem Baubeginn Und denen die es realisieren sollen viel Glück wünschen SERVICE INTERVIEWPARTNER Hartmut Mehdorn Nach Tätigkeiten für die Deut sche Bahn AG und die Flugge sellschaft Air Berlin ist Hartmut Mehdorn seit März 2013 Vor sitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Branden burg GmbH


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