IM io Fachzeitschrift für Innovation Organisation und Management 03 2014 10 SC H EE R IN N O VA TI O N R EV IE W SC H EE R IN N O VA TI O N R EV IE W SCHEER INNOVATION REVIEW Interview Zug nicht schon vor der Abfahrt mit einem guten Fahrplan aufs richtige Gleis gesetzt wird In einem Interview zur Sanierung des Luftfahrt unternehmens Air Berlin haben Sie einmal mit Blick auf die notwendigen Analysen gesagt Wir schauen unter jeden Stein Das war und ist wohl auch beim Projekt BER notwendig Unter den Steinen finden Sie sicher auch Erkenntnisse die Indikatoren für größere und damit krisenverdächtige Probleme sind Zum einen müssen solche Probleme offensiv kommu niziert werden um sie angehen zu können Auf der anderen Seite stehen Sie im ständigen Spannungsfeld zwischen unternehmerischer Verantwortung dem berechtigten Interesse der Politik und der Wahrneh mung der Bevölkerung Wie lassen sich dabei entste hende Konflikte auflösen Es gibt Konflikte die praktisch unauflösbar sind bei denen ein Minimum an Konsens manchmal schon das Optimum darstellt Das nachträgliche unter den Stein schauen ist ja keine Unternehmensphilo sophie sondern oft nur eine Reparaturarbeit Wenn man von vornherein ein klares Konzept hat braucht man hinterher auch weniger Analysen Air Ber lin und die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH waren nur hinsichtlich ihrer fehlenden industriellen Strukturen vergleichbar Air Berlin war ein mittel ständisches Unternehmen das durch seinen Erfolg am Markt zu schnell gewachsen ist und das dann konsolidiert werden musste Da musste man und muss man heute auch jeden Stein umdrehen um Effizienz und Geld darunter zu finden Bei der Flughafengesellschaft habe ich keine Manage ment Struktur vorgefunden Ein Großprojekt das im märkischen Sand stecken geblieben war Nach der Absage der Eröffnung gab es eine Art Schockstarre die uns mindestens ein Jahr Zeit gekostet hat Die Ursachen dafür lagen nicht nur im Missmanage ment sondern auch an den Rahmenbedingungen für das Projekt BER Wo Politik gemacht wird gibt es eben auch unterschiedliche Ansichten Deren Tolerierung gehört zu den Grundvoraussetzungen für eine Demokratie Das Problem ist nur dass die Mehrheit die über ein Großprojekt entschieden hat von Wahl zu Wahl wechseln kann Und damit auch die Prioritäten Beim BER haben wir noch zusätz lich das Handicap dass dafür gleich drei Regierun Für Großprojekte gibt es keine gewachsenen Struk turen oder Patentformeln Sie beginnen bei Null sie haben keine festen Regeln kein Karrieresystem und keine Blaupausen Die Projektsteuerung ist das A und O für den Erfolg Die Baustelle BER ist ein Musterbeispiel dafür wie es nicht laufen sollte Da hat man sich eine Aufgabe zugetraut von deren Kom plexität man keine Ahnung hatte Der Versuch einen Generalunternehmer zum Festpreis zu beauftragen ist gescheitert Da hat man das Projekt selbst in die Hand genommen das war riskant Dann haben zu viele Ingenieurbüros zu egoistisch nebeneinander und nicht miteinander gearbeitet Einige davon haben schließlich auch noch eine schlechte Rolle gespielt Das Management für ein Großprojekt muss varia bel aufgestellt sein und dem Baufortschritt angepasst werden Um mal ein Beispiel zu nennen Betongießer braucht man auch nur für den Rohbau und nicht für den Innenausbau Deshalb machen Teilzeit Verträge durchaus Sinn Die von Ihnen zitierte Forderung von Unternehmensberatern nach Einfachheit ist eine schöne Idee Sie wird aber auch von Unternehmens beratern ad absurdum geführt Denn Geld verdienen können die doch nur mit der Lösung komplexer Auf gaben Beim BER waren es eher zu viele gute Rat schläge Die Funktionsfähigkeit einer Organisation hängt nicht nur von einem straffen Reporting System ab sondern auch von der Qualität der internen und der externen Kommunikation Dafür ist der Chef des Unternehmens verantwortlich Er trägt die Ver antwortung dafür dass jeder versteht was auf der Baustelle geschieht die Mitarbeiter ebenso wie die Bürger Gerade bei öffentlich rechtlichen Projekten kommt es auch intern schnell zu Verwerfungen wenn man extern nicht auf einer klaren Schiene kommuniziert Dann wird von den parlamentari schen und politischen Aufsichtsgremien die über die Presse unter dem Druck der öffentlichen Mei nung stehen automatisch mehr externe Kontrolle gefordert Dann werden Ausschüsse eingesetzt und ständig neue Gutachter beauftragt Das Projektma nagement ist schließlich mehr mit deren Anfragen beschäftigt als mit der Baustelle selbst Beim BER habe ich leider so eine schwierige Situation vorge funden Am Ende versucht dann jeder nur noch Schuld oder Unschuld festzustellen Auch mensch liches Fehlverhalten ist vorprogrammiert wenn der